Die Akte Uni - sie ist geschlossen. Nach unglaublichen viereinviertel Jahren (mein Gott, was hab ich so lange gemacht, sieht man mal von einem Praktikumssemester und den anfänglichen Fachverirrungen ab?) bin ich aus dem akademischen Büffel-Bunker draußen. Für alle, die das etwas lieblos finden: Bitte liebevollere Formulierung suchen und den letzten Satz durch diese ersetzen. Doch weiter im Text. Nach dieser gefühlten Ewigkeit ist nun der richtige Zeitpunkt für einen Rückblick gekommen. Hier ein Zusammenschnitt meiner universitären Highlights:
November 2003 - Die ersten Vorlesungen waren belegt, die ersten Enttäuschungen in Form von Anwesenheitslisten kassiert, ging es auch schon los: Das Erstsemesterwochenende. Das Grauen trägt seither einen Namen und als wären Erstis nicht schon einzeln schlimm genug, wurden sie gleich ein ganzes Wochenende in einen gruppenähnlichen Zustand verfrachtet. Ausrottungen im Mittelalter müssen Dreck gewesen sein gegenüber dem, was wir erlebt haben. Die Feststellung vor Ort, dass in unbeheizten Hütten gehaust werden muss (an einem Wochenende, an dem wenige Kilometer von dem Ort des Grauens entfernt der erste Schnee fiel), ließ die Stimmung auf den Gefrierpunkt sinken. Der leckere Spüldienst, den ich für das Abendessen am Samstag gezogen hatte, machte es auch nicht besser. Temporäres Feindbild: Betreuerin Tamara (von ihren Betreuer-Kollegen liebevoll Tami genannt - vielleicht eine Anspielung auf das längst ausgestorbene Tamagotchi, dessen Nerv-Potential in etwa dem ihren entsprach). Sie erlöste mich und einige andere trotz Erkrankungen und über Nacht in den Flaschen gefrorenem Wasser nur widerwillig von dem Höllentrip - und dann auch nur gegen die unerhörte Gegenleistung von kollektivem Toilettendienst. Selten bin ich mir so versklavt vorgekommen wie in dem Augenblick, in dem ich mit einem total abgenutzten Wischmopp ein sich in ekelerregendem Zustand befindendes Männerklo schrubbte. Im Anschluss fuhr ich nach Hause. Bis heute habe ich mich von diesem Trauma nicht erholt. Mentaler Vermerk: Tami bei nächster Gelegenheit verklagen.
Alle Monate 2003 bis 2007 - Kritische bis unaushaltsame Netzhautschädigungen infolge geschmackloser Juristen- und BWLer-Outfits. Kaum zu glauben, aber manche Menschen haben die Bezeichnung “personifizierter Mode-Fehler” durchaus verdient. Sollten Sie vorhaben, sich mit einer Stil- oder Typberatung selbstständig zu machen - mein Standort-Tipp wäre Mannheim. Dort herrscht garantiert Bedarf.
September 2006 - Nach den kürzesten Semesterferien weltweit begann erstmalig das Herbstsemester in Mannheim. Das Projekt hieß: Internationalisierung. Die Folge: Die Semesterzeiten wurden umgestellt. Sommer- und Wintersemester waren ab sofort Herbst- und Frühlingssemester. Damit war klar: Die Mannheimer wissen mit allen Jahreszeiten etwas anzufangen. Doch das Resultat war eher bescheiden: Man hat zwar zu günstigeren Zeiten frei als zuvor, doch leider ganz alleine, denn keine andere Uni in ganz Deutschland hat sich der Umstrukturierung angeschlossen. Ein wenig suboptimal, wenn Sie mich fragen.
Februar 2007 - Erstmals waren die unverschämten etwas erhöhten Studiengebühren von rund 600 Euro fällig. Ich bekam sie später zurück, weil ich ein Urlaubssemester zugunsten eines Praktikums einlegte. Als ich wieder zurück an die Uni kam, sah ich, wofür die neuen Mehreinnahmen genutzt wurden: Der Torbogen des Mannheimer Schlosses wurde mit goldenen Spitzen besetzt. Auch eine Möglichkeit der Investition. Das Gute: Durch die Zurückerstattung meiner Gebühren sah ich mich nach Abschluss des Studiums wenigstens nicht genötigt, mit einer Stahlsäge vorzufahren und mir meine Spitze mitzunehmen. Doch eines muss man den Mannheimern lassen: Das restaurierte Schloss ist wahrlich eine Augenweide. Die Renovierung liegt in den letzten Zügen und ist bald abgeschlossen. Für mich leider zu spät, denn ich habe fertig.
Und damit gebe ich ab an die postuniversitäre Resozialisierungsbeauftragte.